Bisher haben mich die Leute immer belächelt, wenn ich ihnen meine bescheidenen Bestrebungen vorführte, Obst und Gemüse zumindest in kleinen Ansätzen selbst zu ziehen. Und vor EHEC gab es ja auch ein Killer-Argument, mit dem sich all diese Bestrebungen ad absurdum führen liessen. Es lautete:
Im Geschäft kriegt man die Waren billiger, und ganz ohne Stress.
Nun, das mit dem Stress könnte man ab jetzt vielleicht schon anders sehen. Und warten sie mal ab, wie sich die aktuellen Verluste der diesmal betroffenen Erzeuger später auf die Preise auswirken werden.
Man könnte wahrscheinlich prognostizieren, dass es nach EHEC für den Verbraucher gesteigerten Sinn machen könnte, lokale Erzeugerketten zu bevorzugen, denn die sind insbesondere auf dem Land schwerer als Ziel für biologische Angriffe / "Pannen" im Labor / "zufällig" entstandene Mutationen usw. auszumachen. Ich würde im Zweifelsfall viel lieber die Gurke aus Lindau kaufen, als die aus Spanien, wo ich nicht einmal den genauen Ort genannt bekomme. Und wer weiß, mit wem sich die spanischen Gurken auf dem Lastwagen so alles herumgetrieben haben.
Das Problem ist nur: das Wetter in Deutschland. Gurken, Salat, Tomaten usw. wachsen hier nur ein paar Monate im Jahr, wenn man ihnen keine aufgebesserten Bedingungen bieten kann. Das mindeste, was man braucht, ist ein Gewächshaus.

Was Sie hier sehen, stellt nur einen allerersten Ansatz vor – eben das, was man hinbekommt, wenn man mit geringstem Einsatz von finanziellen Mitteln einen ersten Vorstoß zu wagen beschließt. Viel lieber hätte ich eins von der US-Firma Growing Spaces:
Das wirft einen natürlich – je nach Größe und Ausführung – schnell mal um zehntausend Euro zurück. Aber es gibt diese Gewächshäuser in alpiner Sonderausführung, damit könnte ich dann auch im Allgäu (und erst recht überall sonst in Deutschland) das ganze Jahr über Dinge wachsen lassen … wer kann das schon?
Ich rechne mir das mehr oder weniger so aus: Irgendwann kommt der Punkt, an dem gut situierte Verbraucher gerne bereit sind, einen deutlich höheren Preis für Lebensmittel zu bezahlen, so lange sie nur wissen, wo sie herkommen. Und wenn ich mich bis dahin eine kluge Wahl getroffen habe, welche Pflanzen ich dort in meinem Gewächshaus ziehe: vorzugsweise solche, die man eben nicht an jeder Ecke bekommt, und die auch von Haus aus eher teuer sind – dann könnte ich mir vielleicht eine kleine Community von Kunden aufbauen, die mich bezahlen. Vielleicht würden ein paar Restaurants in der Nähe sehr froh sein, wenn sie von mir im Winter frische Blaubeeren bekommen könnten. Oder Pfifferlinge.
Also, ich bin hier gedanklich auf dem Weg. Und ich habe auch schon angefangen, zu üben:

Was Sie hier sehen, ist "Rainforest", meine hydroponische Wachstumsstation für Keimlinge. Das blaue Ding in der Mitte ist ein Motor, der unter der Obefläche eine rotierende Plastikscheibe antreibt, die eine Nährflüssigkeit in die kleinen Drahtkörbchen versprüht, in denen die Pflanzen sitzen. Auf dem oberen Bild sehen Sie schon recht große Pflänzchen, die dann am nächsten Tag umgesetzt wurden. Zum Beispiel in dieses System:

Das ist mein System "Panda Hydro", das ich seit März in Betrieb habe. Links wächst ein Blaubeer-Strauch. Im Herbst werde ich den Standort des Systems voraussichtlich wieder in den Heizungskeller verlegen, wo ich zwei LED-Hochleistungslampen installiert habe. Das hatte zuletzt recht gut funktioniert.
Natürlich kann man mit Hydroponic auch noch größer einsteigen. Aber ich bin mit der Größe der Panda Hydro-Tanks recht zufrieden, sodass ich mir eher noch ein zweites solches System kaufen würde, wenn ich aufstocken wollte. Was mir nämlich gut gefällt ist die relativ unbegrenzte Wuchshöhe, bzw. die Größe der Töpfe, die es zulassen, auch schon recht große Pflanzen zu kultivieren. Bestünde mein Plan darin, nur kleine Pflanzen, aber davon viele zu ziehen, dann würde ich mir vielleicht ein System für Vertical Gardening kaufen, das zwar auch in die Höhe geht, aber dabei wohl nur mit kleinwüchsigen Pflanzen zurechtkommt – Salatköpfen etwa, oder Radieschen. Besonders gut gefällt mir der Rotogro:
Aber wenn's sein muss, lassen sich auch mit einfachsten Mitteln schon interessante Setups für Vertical Gardening bauen, wie Ihnen hier eine Dame auf Youtube zeigt:

Lassen Sie die Nahrungspreise und die Paranoia noch ein wenig steigen, und schon tut sich auch hier ein Markt auf. Und dieser Markt gehört Leuten wie Ihnen oder mir, die dezentral organisiert sind und damit zufrieden, eine kleine Community und sich selbst zu bedienen. Doch behalten Sie im Kopf, dass all dies Zeit braucht. Es ist unrealistisch, schon in der ersten Saison die Ernte eines Profis einzufahren. Fangen Sie deshalb frühzeitig an, dann haben Sie Ihr Know-How dann zusammen, wenn es drauf ankommt.
Hydroponic Gardening in Holland
P.S.: Gerade habe ich ein Video und eine Pressemitteilung entdeckt, die zeigen, dass die Holländer genau meinem Rezept folgen. Es gibt doch nichts Schöneres, als die eigene Meinung bestätigt zu sehen.
You’ve heard of paint by numbers? Get ready for feed-the-world by numbers. Dutch agricultural company PlantLab wants to change almost everything you know about growing plants. Instead of outdoors, they want farms to be in skyscrapers, warehouses, or underground using hydroponics or other forms of controlled environments. Instead of sunlight they use red and blue LEDs. Water? They need just 10% of the traditional requirements. At every stage of their high tech process, PlantLab monitors thousands of details (163,830 reports per second!) with advanced sensors to create the perfect environment for each individual type of crop. In short, they create a high tech ‘plant paradise’. (Quelle)
Was auch immer hinter EHEC steht, eines ist sicher: Unsere Nahrungsmittelkette ist nicht sicher. Warum auch? Natürlich ist unser Versorgunssystem anfällig. Und EHEC könnte erst der Anfang sein. Was also tun? Für mich persönlich heißt eine der Antworten: Hydroponik.

Kommentare
14. August 2011, 20:40 Uhr, permalink
Felix
Krisenwährung Zigaretten:
www.youtube.com/watch?v=KCohuAqEA9Q
19. August 2011, 12:32 Uhr, permalink
Felix
ganzer Vortrag von Prof. Bocker
www.youtube.com/watch?v=G-oJtZ8zXec
26. August 2011, 01:53 Uhr, permalink
hierundjetzt
Dieses System ist aber abhängig von Strom. Und Pflanzen ohne natürliches Wasser und ohne natürliches Sonnenlicht sieht zwar aus wie eine Pflanze, aber aus energetischer Sicht kann sie auf längere Sicht eher den Körper schwächen, als ihn zu näheren ... Stichwort Biophotonen. Wenn es erlaubt ist, mag ich hiermit auf meine Webseite verweisen ( werbefrei und zu 100% privat ), auf der der Zusammenhang von Nahrung und Sonne und Wasser, unter anderem, zur Sprache kommt. Einfach meinen Namen anklicken.
Deine Aufbauten auf der Terrasse gefallen mir schon besser. Leider steht nicht jedem ein kleiner Garten zur Verfügung ... man mag ihn nicht mehr missen ...
Viele Grüße
23. Dezember 2011, 20:28 Uhr, permalink
Florian
Besser wäre biologischer Hydroponikdünger wie z.B. der BioSevia von GHE!
Damit die Mikroorganismen des Erdreiches (welches 10% Cocos oder der Biofilter sein kann) die Nähstoffe für die Pflanzen verfügbar machen und damit das Leben auch von Leben kommen kann!
Kommentar schreiben