Mein derzeitig optimal scheinender Ablauf besteht darin, zirka alle drei Tage mit einer großen Mülltüte und einer Kotzange mit dem Namen „Kot-Schnappi“ über die Wiese zu ziehen, mit suchendem Blick und gebeugter Haltung. Wenn ich dann einen „Kacktus“ erspäht habe, greife ich ihn mit der Zange und lasse ihn in die Mülltüte fallen. Anfangs wurde mir dabei leicht schlecht, dann wurde es zu einer rein motorischen Übung. Eigentlich ist das Hantieren mit der Kotzange wahrscheinlich nicht viel anders wie die Arbeit an der Pralinentheke in einer Konditoreiohne. Man muss möglichst sauber arbeiten. („250 Gramm von den braunen Kügelchen hier, Gnädige Frau? Ja, die sind ganz frisch, haben wir eben erst reinbekommen.“)
Irgendwann fiel mir auf, dass die Schweine immer extrem interessiert und dankbar scheinen, wann immer ich in ihren Müll wegräume oder sonstige Arbeiten in ihrem Gehege ausführen. Ich glaube, es ist ihnen absolut klar, dass ich in ihrem Sinne arbeite und finden das richtig klasse.
Kürzlich legten wir uns auch noch Packo zu, einen acht Wochen alten Australian Sheperd Dog – nachdem ich mehrfach von meinem Freund Nicky, dem Jäger, den Satz gehört hatte: "So ein Haus braucht einfach einen Hund!" Ein paar Nächte zuvor hatte meine Frau nachts draußen ein paar Geräusche gehört, die sie nicht einordnen konnte, und das hatte sie nicht mehr einschlafen lassen. Jetzt schien die Zeit reif, Nickys Ratschlag endlich zu folgen.
Etwa am fünften Tag, als ich gerade über den Schwierigkeiten der Erziehung zur Stubenreinheit verzweifelte, realisierte ich, dass ich ab jetzt vielleicht für mehr als ein Jahrzehnt seine Kacke zweimal täglich würde wegräumen müssen. Da dachte ich eine Zeit lang daran, ihn zum Züchter zurückzubringen. Natürlich war mir klar, wie scheiße ich dann dastehen würde … vor dem Tier, vor dem Züchter und vor mir selbst. Aber die Realisierung all der zusätzlichen ekligen Arbeiten, zu denen ich mich gerade wieder verpflichtet hatte, traf mich kurz mit voller Wucht. Vielleicht hatte ich einen riesigen Fehler gemacht, jetzt noch ein weiteres Tier anzuschaffen.
Dann erinnerte ich mich daran, wie der Hund am ersten Abend meine Frau und mich angesehen hatte: mit langen, prüfenden Blicken, die wirklich unsere Seelen zu erforschen schienen. Irgendwann schlief er dann ein, und kurz vorher gab es einen magischen Moment, als wenn plötzlich die Schicksalsbande zwischen ihm und uns besiegelt worden seien. Danach tat der Hund den seelenvollsten Seufzer, den ich je gehört habe und schlief ein.
Als ich mich an diesen Abend erinnerte, erkannte ich, dass es eigentlich nur den Weg gibt, den Aufwand der Tierhaltung als eine Art spirituelle Übung anzunehmen, die man eben macht, so wie die Leute in Bali abends ein paar Räucherstäbchen für die Geister anzünden oder im Tempel an einer Zeremonie teilnehmen. Ich hatte mich in den letzten Jahren oft gefragt, welche Art von Zeremonie denn wohl in meinem Leben funktionieren könnte, für die ich mich keiner Sekte anschließen muss und die nicht allzu aufgesetzt und exotisch wirkt. Jetzt füttere ich eben täglich meine Tiere und räume ihre Kacke auf. Dann sehe ich in ihre Augen und erkenne Gott.
Ein Schwein setzt täglich mindestens einen so großen Haufen wie ein Mensch. Der liegt dann herum und stinkt. Bei zwei Schweinen verdoppelt sich die Sache, und man kann es nicht mehr ignorieren sondern muss es aufräumen – regelmäßig, alle paar Tage. Derzeit haben wir außerdem noch einen großen Hund und eine Katze. Da kommt schon was zusammen. Es bleibt also nur der Weg, sich die Arbeit möglichst zu erleichtern.
Kommentar schreiben